Krankenkasse: Prämienerhöhung 2023 um etwa 6,6 Prozent 

Die Schweizer Versicherungsgesellschaften melden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) jedes Jahr ihre Prämienwünsche für das Folgejahr. Die Behörde prüft und bewertet diese Wünsche auf Basis der wirtschaftlichen Situation der jeweiligen Krankenkasse. Ausschlaggebend ist beispielsweise die Höhe der Reserven. Nun hat das BAG die neuen Prämien für das nächste Versicherungsjahr veröffentlicht: Im Jahr 2023 steigen die Krankenkassenprämien um durchschnittlich 6,6 Prozent.

Reserve-Abbau als Hauptursache

Trotz Corona sind die Reserven der Krankenkassen nicht eingebrochen. Mehr als das Doppelte des gesetzlich vorgeschriebenen Minimums horteten die Versicherungsgesellschaften – eigentlich für unvorhergesehene Ereignisse. Durch die Revision der Verordnung über die Krankenversicherungsaufsicht wurde die Mindestgrenze für einen freiwilligen Reservenabbau auf ein Mindestniveau von 100 Prozent statt wie zuvor 150 Prozent gesenkt. Die Folge: Viele Versicherungen haben diese Reserven – zum Beispiel über Rückerstattungen – abgebaut. 

Allerdings lief auch 2022 wirtschaftlich bislang alles andere als gut. Die Reserven sind daher auf einem Minimum angelangt und schlagen sich jetzt im Nachholbedarf durch einen hohen Prämienanstieg 2023 wieder. 

Nachholeffekt: Keine Rücklagen mehr vorhanden

Bundesrat Alain Berset stellte vor dem Parlament fest: «Die Ereignisse seit Anfang 2022 haben – Stand heute – zu einer weiteren Senkung der vorhandenen Reserven auf deutlich unter zehn Milliarden Franken geführt.»  

Curafutura, der Verband der Krankenversicherer CSS Versicherung, Helsana, Sanitas und KPT, teilte über Kommunikationsleiterin Simone Hinnen mit, dass es in einem Krisenjahr wie diesem nicht angezeigt sei, weiterhin Reserven abzubauen. Auch die führende Branchenorganisation der Schweizer Krankenversicherer Santésuisse lässt verlauten, dass die Reserven ihrer Mitglieder um etwa ein Drittel zurückgegangen seien. Die Prämien könnten nicht mehr tief gehalten werden. Die Prämienerhöhung 2023 sei also eine Art Nachholeffekt.

Ausblick: Was droht die nächsten Jahre?

Verschiedene Branchenexperten sind sich sicher, dass sich der Nachholeffekt bereits im kommenden Jahr wieder abschwächen und zu einem humanen Prämienanstieg von etwa 2 bis maximal 3 Prozent führen wird. Die letzten fünf Jahre stiegen die Prämien durchschnittlich um 1.5 Prozent pro Jahr – in den fünf Jahren zuvor durchschnittlich 3.8 Prozent pro Jahr

Während diese Anstiege auch der Rücklagenbildung geschuldet waren, werden künftig vor allem die alternde Gesellschaft sowie neue, preisintensive Behandlungsmethoden Kosten für die Krankenkassen verursachen, die über Prämienerhöhungen an die Versicherten weitergegeben werden. 

Effizientere Medizin und Vorsorge gefordert

Versicherungsexperte Jasin Isik von der SuisseKasse GmbH fordert: «Es braucht dringend eine effizientere Medizin. Ich bin hier ganz der Meinung von Bundesrat Alain Berset, der in einem Gespräch mit dem SRF forderte, dass vermeidbare Leistungen wie unnötige Operationen stärker hinterfragt werden. Auch bei den ausgehandelten Pflichtleistungen für Versicherte in alternativen Versicherungsmodellen gibt es bei vielen Krankenkassen Nachholbedarf.» Der Experte betont ausserdem, wie wichtig gesundheitliche Aufklärung und Prophylaxe seien, um die Kosten für die Schweizer Krankenkassen und damit für die Versicherten nachhaltig zu senken. 

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