Private Spitalversicherung noch zeitgemäss?

Gemäss verschiedener Umfragen und Erhebungen vertrauen 25 – 30 % der Schweizerinnen und Schweizer auf eine private Spitalversicherung. Doch in Anbetracht der immer weiter steigenden Beiträge in der Grundversicherung machen sich viele Menschen Gedanken, ob eine Zusatzversicherung wirklich immer notwendig ist. Vor allem im stationären Bereich könnte die Spitalversicherung über kurz oder lang zum Auslaufmodell werden.

Steigender Komfort für Grundversicherte

Fakt ist, dass der Komfort bei stationären Behandlungen auch für Grundversicherte immer weiter steigt. Die Zeiten, in denen die Unterschiede zwischen Privat- und Grundversicherung mehr als deutlich waren, sind langsam aber sicher vorbei. Auch Grundversicherte werden zukünftig immer häufiger den Luxus von Ein- oder Zweibettzimmern geniessen können. Sogar für das leibliche Wohl wird in den modernen Schweizer Spitälern immer besser gesorgt.

Bund drängt auf mehr ambulante Behandlungen

Auch die Zahl der stationären Aufenthalte wird sich in Zukunft weiter verringern, denn Bund und Kantone drängen auf eine Verlagerung der Operationen in den ambulanten Sektor. Viele Operationen werden also in Zukunft eher ambulant durchgeführt – eine Übernachtung wird nicht mehr notwendig. Auch hier minimieren sich dann die Vorteile einer privaten Spitalversicherung, eine bevorzugte Behandlung mit komfortablerem Aufenthalt zu geniessen.

In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung äusserte der Präsident der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften, Daniel Scheidegger, sogar Bedenken bezüglich einer zusätzlichen privaten Absicherung: Stationäre Zusatzversicherungen könnten dazu führen, dass Ärzte unsinnige Behandlungen durchführen, nur um sich die Taschen zu füllen. Bei der Grundversicherung sei diese Gefahr geringer.

Flexiblere Modelle der Krankenkassen notwendig

Weil vor allem junge Schweizerinnen und Schweizer nicht mehr bereit sind, hohe Prämien für teils unnötige Zusatzversicherungen zu bezahlen, sind die Krankenkassen gefragt, flexiblere Modelle zu entwickeln. Denn die Konkurrenz ist gross: Selbst einzelne Spitäler bieten mittlerweile Zusatzleistungen für Grundversicherte bei einem Spitalaufenthalt an, die sich die monatlichen Kosten für ein private Versicherung sparen möchten. So werden die Kosten wirklich nur dann fällig, wenn man etwaige Leistungen auch in Anspruch nehmen muss oder möchte.

Das endgültige Aus für private Spitalversicherungen?

Komplett sinnlos sind die Spitalversicherungen (private und halbprivate Abteilung) aber noch lange nicht. Vor allem wenn man als ältere Person bereits seit längerer Zeit Prämien zahlt, sollte man die Zusatzversicherung nicht vorschnell kündigen. Zum anderen werden die Schweizer Krankenversicherer bestehende Tarife zu gegebener Zeit erweitern, um auch ambulante Operationen abzudecken und Versicherten mit ihren Tarifen einen echten Mehrwert bieten.

Bei jungen Schweizerinnen und Schweizern, die sich erstmals mit einer privaten Spitalversicherung auseinandersetzen, sollte ein Vergleich der Leistungen und Prämien der Spitalversicherung jedoch an erster Stelle stehen. Anschliessend gilt es abzuwägen, ob ein entsprechender Tarif Sinn macht oder nicht. Zu bedenken bleibt, dass ein frühzeitiger Abschluss einer Zusatzversicherung immer sinnvoll ist, denn eine Pflicht zur Aufnahme von Versicherten haben die Krankenkasse nicht.

Lesetipp: Unter diesem Link erfahren Sie, welche Leistungen die Grundversicherung im Spital übernimmt.

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